Preisträger*innen

Marc Lee

Marc Lee, 10.000 Moving Cities – Same but Different – VR, 2015, Screenshot, Bangkok, © Marc Lee

Die Jury des Pax Art Award freut sich, Marc Lee (*1969) mit dem diesjährigen Pax Art Award für eine medienspezifische Praxis von Schweizer Künstler*innen auszuzeichnen.

Mit seinem netzbasierten künstlerischen Schaffen ist er seit vielen Jahren zu einer wichtigen Stimme im Bereich der Medienkunst in der Schweiz geworden und hat ein beeindruckendes Werk geschaffen. Marc Lee erschafft immersive Installationen, die sich durch Räume ausdehnen, die verzaubern und zugleich überwältigen.

Das vernetzte Bild steht im Mittelpunkt seines Werkes. In seinen vielschichtigen Konfigurationen von vernetzter Kommunikation und Informationsfeeds lässt Marc Lee die kulturellen, ökonomischen und politischen Aspekte von Netzwerken sichtbar werden. Er nutzt Live-Feeds als Auslöser für beeindruckende interaktive Installationen, die den Benutzer dazu einladen, über sein eigenes Eingebundensein in diese Informationsströme zu reflektieren.

«Unfiltered», seine jüngste Arbeit, ist eine ortsspezifische immersive Installation, bei der es um die unterschiedlichen Stimmen der Social-Media-App TikTok geht. An jedem einzelnen Ausstellungsort werden neue Posts, Hashtags und Nutzerprofile aus der lokalen TikTok-Community verwendet, um den Input für die raumfüllende Installation zu generieren. Die Arbeit befasst sich reflektierend mit den Auswirkungen, die die digitale Erreichbarkeit auf das öffentliche Bewusstsein, auf Identitätsstrukturen und die visuelle Ästhetik innerhalb einer Gemeinschaft hat.

Sind Plattformen wie TikTok durch den beispiellosen und ständig wachsenden Zugang zu Mobiltelefonen und dem Internet zu den neuen Rathäusern geworden? Ist der «Einfluss» nicht mehr auf eine urbane Elite beschränkt? Können die vielfältigen Stimmen von TikTok eine wirklich inklusive, gesellschaftlich bewusste Zukunft gestalten?

Preise

Bogdanka Poznanovic Award | Social Media Art Award, Phaenomenale | SuMa Award | Netart Award | Viper International Award | tpc CreaTVty award of new media | Award of University of Art and Design, HGK Zürich | Transmediale Award | Viper Swiss Award | Europrix Student’s Award

Ausstellungen

HEK (Haus der Elektronischen Künste), Basel | C/O Berlin | UNArt Center, Shanghai | Asia Culture Center (ACC) | Roehrs & Boetsch, Zürich | Annka Kultys Gallery, London | Synthesis Gallery, Berlin | MAK Wien | Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), Karlsruhe | National Art Center, Tokyo | National Museum of Modern and Contemporary Art (MMCA), Seoul | Seoul Museum of Art | Total Museum of Contemporary Art, Seoul | Ars Electronica Center, Linz | New Museum, New York

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Chloé Delarue

Chloé Delarue, TAFAA – ACID RAVE, 2019, exhibition view of TAFAA – ACID RAVE at MBA La Chaux-de-Fonds, photo: Florimond Dupont, courtesy of the artist and MBA La Chaux-de-Fonds © Chloé Delarue

Chloé Delarue (*1986) lebt und arbeitet in Genf. In ihrem künstlerischem Werk erschafft sie Installationen, die Skulptur, Video und Klänge unter dem Akronym TAFAA kombinieren, das für «Toward a Fully Automated Appearance» («Hin zu einem vollautomatischen Erscheinungsbild») steht. Ihre Arbeiten, die die Künstlerin «Environments» nennt, entstehen als Elemente der Neugestaltung eines abstrakten Körpers. In diesem Prozess konvergieren und überlappen diese Elemente, und so entsteht eine Art Informationsspektrum, wobei sie einen immateriellen und materieähnlichen Fluss von Formen und Bedeutungen miteinander kombiniert.

Ähnlich wie biosemiotische Ebenen – wie etwa das Myzel, das im Waldboden schlummert, oder die Zecke, die darauf wartet, dass ein Säugetier ihren Weg kreuzt – wollen Delarues Environments die Signale und Fluktuationen erfassen, die in diesen Umgebungen zu finden sind. Als Komposition aus verschiedenen Materialien wie Leuchtstoffröhren, Elektronik, hängenden Metallteilen, Haken und Drähten, organisch anmutenden Schichten, Klängen und Videostücken, Prismen, Kristallen und Latex sind ihre Installationen als fleischähnliche, skulpturale Körper gestaltet. Sie scheinen die Existenz eines anamorphen Zustands zu suggerieren, der in eine progressive Komplexität übergeht. Diese Objekte führen womöglich Operationen aus, die mehr sind als Methoden oder Prozesse zur Untersuchung, da die Künstlerin einen eventuellen Zustand künstlicher Lebensformen aufzuzeigen scheint, die in Grenzräumen und jenseits menschlicher Agenturen ansässig sind. Durch die Verwendung dieser Rohmaterialien und ihrer Zusammensetzung kommt Delarue der Darstellung einer Art ausserirdischer Natur nahe, deren Zweck eine Einladung ist, an Assoziationen zu denken, die sich aus den verschiedenen Fragmenten ergeben, die in dem Raum ausgestellt sind.

Preise

Winner of artistic residency Simetrìa, CERN | Winner of Kunst am Bau Collège des Rives | Abraham Hermanjat Grant | Hirzel Prize of Société des Arts | Kiefer Hablitzel Prize

Ausstellungen

Binz39, Zürich | Instituto Svizzero, Rom | HEK (Haus der Elektronischen Künste), Basel | Post Territory Ujeongguk, Seoul | CAN Neuchâtel | Windhager von Kaenel Gallerie, Zürich | Villa du Parc – Centre d’art contemporain, Annemasse | Musée des beaux-arts de La Chaux-de-Fond | La Salle de bains, Lyon | Kunsthaus Langenthal | Urgent Paradise, Lausanne | Sonnenstube, Lugano | Parc Saint Léger – Hors les murs, Nevers | Palais de l’Athénée, Genf

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Laurent Güdel

Laurent Güdel, Speakers, 12 channels audio installation, installation view at Nidwaldner Museum, Stans, photo: Augustin Rebetez, 2017 © Laurent Güdel

Laurent Güdel lässt Elektrizität durch sein Gesamtwerk fliessen, und zwar im Mehrspur­modus. In seinem sich ständig verschiebenden Gewirr aus Adern und Kabeln ist Elektrizität sowohl ein kommunikativer Akteur mit einer traditionsreichen Geschichte im Transport von Klang als auch eine stromführende Leitung, die am Rückgrat der Gegenwart zuckt.
Manchmal gräbt sich Güdel tief in die kopierten, aufgezeichneten oder anderweitig archivierten Geheimnisse der Klangtechnologie hinein, um zu enthüllen, wie Radiofrequenzen, Oszillatoren, die in den Synthesizern brummen, die in den staatlich finanzierten Forschungslabors des Nachkriegs-Europas entwickelt wurden, oder Kontaktmikrofone, die in Bienenstöcke eingesetzt werden, allesamt dazu dienen können, Botschaften, Politik und Communities zu vermitteln oder zum Schweigen zu bringen, zu verstärken oder zu verschleiern.
Damit zeigt er, wie glückliche Zufälle in der Produktions- und Handelskette – etwa ein Aufnahmeknopf, den ein Arbeiter in einer chinesischen Fabrik versehentlich drückt, bevor ein elektronisches Gerät seinen komplizierten Weg in den Westen findet – unsere Ohren auf den geisterhaften, unzusammenhängenden Soundtrack des globalen Kapitals ein­stimmen können. Oder er führt gemeinsam mit Aladin Borioli in einem Dialog mit Bienen vor Augen, dass die Datensonifikation der Schlüssel zur dringend notwendigen Verbesserung der Kommunikation zwischen den Spezies sein könnte.
Dann wiederum ist Laurent Güdel kurz davor, selbst zu Strom zu werden. Was anderswo in seinem Werk von dokumentarischer Bedeutung ist, wird zu roher, unmittelbarer Kraft, wenn er eines seiner Live-Elektronik-Sets aufführt. Der Körper beugt sich über den Schwarm von Kabeln, die aus seinem modularen Synthesizer-Set-up herausragen, die Finger stecken in den vielen Anschlüssen, und er ist ausgesprochen meisterhaft darin, Raum und Zeit aus den Erschütterungen der reinen Spannung herauszuarbeiten, wodurch er Kommunikation zu einem gemeinschaftlichen und ekstatischen Erlebnis werden lässt.

Preise

Prix d’encouragement de la ville de Bienne | Bourse «Ici  &  Ailleurs» du CFACG, Canton de Berne | Collection d’œuvres d’art du canton de Berne

Ausstellungen

Swiss Art Awards 2021, Basel | Lausanne Underground Film & Music Festival (LUFF) | Q-02, Brussels | Electronic Musik Studion (EMS), Stockholm | Radio Belgrade, Electronic Studio, Serbia | KSYME Contemporary Music Research Center, Athens | Espace eeeh!, Nyon | Lokal-int, Biel/Bienne | Krone Couronne, Biel/Bienne | Mayday Radio Marathon, Oscillation Festival, Brussels | Centre d’art Pasquart, La Cantonale, Biel/Bienne | Espace d’art contemporain (les halles), Porrentruy | Centre d’art contemporain (CAN), Neuchâtel | documenta14, Kassel | Kunsthaus Langenthal, La Cantonale

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