Award

Pax Art Awards 2018

Zum ersten Mal wurden am 14. Juni 2018 die Pax Art Awards vergeben. Mit den Kunstpreisen ehrt und fördert die Art Foundation Pax in Zusammenarbeit mit dem HeK, Haus der elektronischen Künste Basel, eine medienspezifische Praxis von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke Medientechnologien nutzen beziehungsweise deren Auswirkungen reflektieren.

2018 ging ein Preis in Höhe von CHF 30’000 an die !Mediengruppe Bitnik für ihre avancierte und langjährige Arbeit im Feld der Medienkunst. Die Künstler erhielten CHF 15’000 als Preisgeld und Produktionsunterstützung einer neuen Arbeit. Weitere CHF 15’000 dienen dem Erwerb eines Werks für die Sammlung der Art Foundation Pax.

Zwei weitere Preise wurden an junge aufstrebende Medienkunstschaffende vergeben. Jeweils CHF 15’000 inklusive Preisgeld und Ankauf erhielten die Genfer Künstlerin Lauren Huret sowie die Künstlergruppe Fragmentin aus Lausanne.

Nach der Verleihung kamen die rund 150 Gäste bei Würstchen, Kartoffelsalat und Bier mit den Künstlern und Stiftungsmitgliedern ins Gespräch. Einige profitierten von einer Privatführung bei den Damen und Herren vom HeK und liessen sich die Kunstwerke erläutern. Wer mochte, begab sich später in den Keller und schwang das Tanzbein.

Die Pax Art Awards genossen nicht nur grossen Anklang im Publikum, sondern auch eine hohe Resonanz bei der Presse. Vom Art Forum übers Hochparterre bis hin zu Tele Basel wurde von fleissig über den gelungenen Anlass berichtet. Wir freuen und bedanken uns.

Eine Jury mit Glanz

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Mónica Bello, Head of Arts am CERN, Genf
Nicolas C. Bopp, Präsident Stiftungsrat Art Foundation Pax, Basel
Davide Fornari, Head of R&D at ECAL, Lausanne
Sabine Himmelsbach, Direktorin HeK, Basel
Fausto De Lorenzo, De Lorenzo Art and Museum Management & Consulting GmbH, Basel

Die stolzen Preisträger

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Award 2018

!Mediengruppe Bitnik

Die !Mediengruppe Bitnik  (lies: „Die Nicht-Mediengruppe Bitnik“) lebt und arbeitet in Zürich / Berlin / London. Sie setzt sich zusammen aus Kunstschaffenden, die im und mit dem Internet leben. Ihre Arbeiten reichen vom rein Digitalen bis zu umgewandelten physischen Räumen, wobei oft ein Element des Kontrollverlusts integriert ist, um etablierte Strukturen und Mechanismen sichtbar zu machen und so zu hinterfragen. Hinter der !Mediengruppe Bitnik stehen die Kunstschaffenden Carmen Weisskopf  (*1976)  und Domagoj Smoljo  (*1979 ). Ihre „Komplizen“ sind der Londoner Filmemacher und Forscher Adnan Hadzi und der Journalist Daniel Ryser.

Die Jury der Pax Art Awards freut sich, diesen 2018 erstmals verliehenen Preis für digitale Kunst an die !Mediengruppe Bitnik für ihr Wirken als anerkannte Stimme innerhalb der schweizerischen Medienkunstszene überreichen zu können. Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo erreichten bereits in jungen Jahren ein internationales Publikum mit diversen Arbeiten, die sich über mehrere Medien erstreckten. Indem sie sich zu Themen wie dem Hackerangriff der Ashley-Madison-Plattform („Ashley Madison Angels at Work“, 2016 – 2017 ), den auf dem Dark Web zum Kauf angebotenen Dingen („Random Darknet Shopper“, 2014 – 2016)  oder dem juristischen Status von WikiLeaks-Gründer Julian Assange („Delivery for Mr. Assange“, 2013)  äussern, greifen sie Themen von öffentlichem Interesse auf, die sie auf durchweg neuartige Weise behandeln. Das Ergebnis sind komplexe Artefakte, die als Verkörperung diverser Technologien dazu dienen, die verborgenen Kontrollarchitekturen und -systeme offenzulegen, in die der Mensch heute eingebettet ist, und die gleichzeitig bisher ignorierte Ereignisse und Narrative ins öffentliche Bewusstsein rücken sollen. So haben die beiden Kunstschaffenden die Bots enthüllt, mit denen wir unter Umständen im Internet chatten, die illegalen Produkte thematisiert, die im Dark Web über den virtuellen Ladentisch gehen, und sind in einen visuellen Dialog mit Julian Assange getreten, der sich noch immer in der ecuadorianischen Botschaft in London dem Zugriff der amerikanischen Behörden entzieht. Durch die Werke des Künstlerduos werden dem Publikum ungewöhnliche Erfahrungen vermittelt, die zugleich das Bewusstsein schärfen für all die Technik, die den modernen Alltag ausmacht.

Preise

Honorary Mention Prix Ars Electronica 2016 („Random Darknet Shopper“) | Swiss Art Awards 2014 | Migros New Media Jubilee Award 2007

Ausstellungen

Fondazione Prada Milano | Shanghai Minsheng 21st Century Museum | The Pushkin Museum of Fine Arts, Moscow | City Art Gallery Ljubljana | Kunsthaus Zürich | NIMk Amsterdam | Space Gallery London | Cabaret Voltaire, Zürich | Beton7, Athens | Museum Folkwang, Essen | Contemporary Art Center Vilnius | La Gaîté Lyrique, Paris | Gallery EDEN 343 São Paulo und / and Roaming Biennale, Teheran.

mediengruppe bitnik

!Mediengruppe Bitnik | Ashley Madison Angel at Work, 2016 | Installationsansicht Kunsthaus Langenthal

Lauren Huret

Lauren Huret  (*1984)  ist eine in Genf wohnhafte Künstlerin. Sie besitzt einen Abschluss der École des Beaux-Arts in Bordeaux und erhielt danach einen MFA der Haute école d’art et de design  (HEAD)  in Genf. Besonders fasziniert die Künstlerin die Art und Weise, wie Sprache und Ideen in unsere Köpfe gelangen und sich dabei in einzigartige Auffassungen von Realität verwandeln.

Die Jury der Pax Art Awards ist erfreut, Lauren Huret auszeichnen zu können, eine Schweizer Künstlerin, deren Werke den Einfluss der Medientechnik auf Individuum und Gesellschaft in umfassender Weise thematisieren. In ihren Videos und Performances widmet sich die Genfer Künstlerin dem Thema Identität in einer immer stärker technisierten Welt. Dabei wird auch unsere emotionale Verbundenheit mit den heutigen Kommunikationsinstrumenten, die oft in eine fast physische Abhängigkeit mündet, angesprochen, verbunden mit Überlegungen zur Geschichte der Neuen Medien oder zu den Problemen und Risiken, die sich aus den neusten Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz ergeben. Bei ihrer umfassenden Untersuchung dieser Themen ist es der Künstlerin immer wieder gelungen, spannende Verbindungen zwischen ihnen offenzulegen. Zum Einsatz kommt dabei Found-Footage-Material, das aus verschiedensten Internetquellen stammt und auf neuartige Weise kombiniert, untereinander in Beziehung gesetzt und mit der medienhistorischen Analyse der Künstlerin verbunden wird. Immer wieder im Fokus steht auch die Art und Weise, wie die Menschen moderne Medien nutzen und wie abhängig sie mittlerweile von der virtuellen Sphäre sind – wobei hier poetische Installationen zur kritischen Diskussion einladen. Lauren Huret hat bei ihrer Arbeit ihre ganz eigene visuelle Sprache entwickelt, in der sie auf sehr zeitgenössische Weise über unsere Körperlichkeit und Emotionalität spricht : durch Nutzung digitaler Instrumente, die oftmals einen verblüffenden Entdeckungsprozess in Gang setzen.

Awards

Residency am Center for Contemporary Art Zamek Ujazdowski, Warschau

Performances

Kunstmuseum Luzern | Les Urbaines, Lausanne | Schinkel Pavillon, Berlin

Exhibitions

Kunsthaus Langenthal | Hard Hat, Genf | Swiss Art Awards 2016 | Le Consortium, Dijon | La Panacée, Montpellier | Le Magasin, Grenoble | Neue Galerie, New York | Copenhagen Contemporary

lauren huret - faceswap

Lauren Huret | Face Swap  (past), 2016

lauren huret - breaking the internet

Lauren Huret | Breaking the Internet, 2015

Fragmentin

Fragmentin ist eine in Lausanne  (Schweiz)  ansässige Künstlergruppe, die eine Vielzahl von Techniken und Materialien zur Schaffung interaktiver und performativer Installationen einsetzt, mit denen die Auswirkungen der Technik auf unser Alltagsleben hinterfragt wird. Gegründet wurde Fragmentin 2014 von Laura Perrenoud  (*1991)  und Marc Dubois (* 1985), denen sich 2017 nach seinem Abschluss des Royal College of Art in London David Colombini  (*1989)  anschloss. Kennengelernt haben sich die drei Kunstschaffenden an der Ecole cantonale d’art de Lausanne  (ECAL ), wo sie den Studiengang Media & Interaction Design absolvierten.

Die Jury der Pax Art Awards verleiht Fragmentin einen Preis für ihre Fähigkeit, die Grenzen des Kreativen laufend weiter auszudehnen und so ihrer anhaltenden Faszination für Medientechnik, -umgang und -design immer wieder neuen Ausdruck zu verleihen. Fragmentin besteht aus den Kunstschaffenden und Designern Laura Perrenoud, Marc Dubois und David Colombini. In ihren Arbeiten erkunden die drei den Grenzbereich zwischen dem digitalen und dem physischen Raum und hinterfragen die Omnipräsenz der Technik und ihren Einfluss auf unser Alltagsleben, besonders im Hinblick auf Themen wie Kontrolle und Beeinflussbarkeit. Dabei ersinnen sie Artefakte, die die Rolle von Zufalls­prozessen offenbaren, wie sie bei jeder Mediennutzung ins Spiel kommen, und zeigen auf, wie diese als Schutz vor einer alles durchdringenden Kontrolle dienen können. Die Werke von Fragmentin schärfen auf diese Weise unsere Sinne und präsentieren uns technologische Objekte, die greifbarer und damit auch zugänglicher sind. Bei einigen handelt es sich um poetische Interpretationen des Potenzials digitaler Technologien, bei anderen um eine Einladung ans Publikum, in paradoxe, virtuelle Landschaften einzutauchen, in denen man seine Umgebung aus ungewohnter Perspektive wahrnehmen und auf neuartige Weise mit ihr interagieren kann. Besonders schätzt die Jury an Fragmentin deren gewichtige Beiträge auf dem Gebiet der Neuen Medien. Die noch junge Karriere des Teams und seine bisherigen Errungenschaften sind in der Tat erstaunlich. Indem wir ihnen einen der 2018 erstmals verliehenen Pax Art Awards zusprechen, sollen die Verbindungen zwischen ihren Ideen und dem Gegensatzpaar Materialität / Virtualität unterstrichen werden, durch die sie neue Möglichkeiten eröffnet haben, Kunst zu schaffen und gleichzeitig zu hinterfragen.

Preise

2017 Migros grant for digital culture | Swiss Design Prize | AppArtAward | Lumen Prize | IKEA foundation project grant | 2015 Collide @ Cern Pro Helvetia residency | 2014 Migros grant for digital culture | Prix de l’excellence de l’ECAL | 2013 Prix de la Ville de Renens

Ausstellungen

Mirage Festival, Lyon | Artlab, EPFL, Lausanne | ZKM, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe | Digitaltag ZHdK, Zürich | Geneva International Film Festival, Genf | Hull City of Culture, Grossbritannien | Numerik Games, Yverdon | The Royal College of Art, London | Design Museum London | “The Unframed World”, HeK, Haus der elektronischen Künste Basel | Cinekid Festival, Amsterdam | Festival du Nouveau Cinéma, Montréal | Design Days, Renens | Swissnex, San Francisco | Film Festival, Locarno | National Theatre, London | Bug & Play Festival, Zürich | Mapping Festival, Genf

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Fragmentin | The Weather Followers, 2017